Neu-Nutzung des Areals Franz-Josefs-Bahnhof (mein Interview mit dem Wiener Bezirksblatt)
1) Welche Chancen ergeben sich durch die Absiedlung der WU am Franz-
Josefs-Bahnhof-Gelände?
Die Absiedlung der WU 2011/2012 bietet uns die einmalige Chance, das Uni-Areal sowie das Gelände des Franz-Josefs-Bahnhofs zu einem neuen, modernen Stadtteil umzugestalten. Derzeit stellt das rund 24 Hektar große Gelände der WU und des Franz-Josefs-Bahnhofs eine Zäsur dar, die das Wohngebiet Lichtental vom Wohngebiet Spittelau und vom Donaukanal trennt. Mit der Absiedlung der WU ergibt sich für uns die Möglichkeit, diese Trennung zu überwinden und eine neue attraktive Verbindung der Bezirksteile zu schaffen.
2) Wann wird der WU-Bau abgerissen? Was wird das ungefähr kosten?
Der Umzug der WU ins neue Universitätsgebäude beim Prater ist für 2011/2012 geplant. Der weitere Zeitplan steht aufgrund des komplizierten Geflechts von EigentümerInnen und NutzerInnen noch nicht fest. Nun geht es in erster Linie darum, mit dem Leitbild die Basis für eine Attraktivierung des Stadtteils zu erarbeiten, die auch die Wünsche und Bedürfnisse der Alsergrunderinnen und Alsergrunder miteinbezieht.
3) Erst vor kurzem hat der gemeinderätliche Planungsausschuss die Erstellung eines Leitbilds beschlossen. Was passiert da? Was genau ist ein Leitbild?
Ein Leitbild ist im Grunde eine Vision und schreibt die wichtigsten Ziele und Vorgaben, die bei einem Projekt erreicht werden sollen, fest. Im Falle des Franz-Josefs-Bahnhofs skizziert das Leitbild die Gestaltung eines attraktiven, modernen Stadtteils mit einem ausgewogenen Mix aus Arbeit, Wohnen, Bildung, Einkaufen und Freizeit. Neben dem Leitbild ist auch der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan ein wichtiges Instrument um neue Grün- und Freiflächen zu schaffen und um die Wünsche der Bevölkerung umzusetzen.
4) Wie werden die Bürger des Grätzels in das Projekt eingebunden?
Das Gelände zwischen WU und Franz-Josefs-Bahnhof entspricht rund acht Prozent der Fläche des ganzen Bezirks. Daher war es uns ein besonderes Anliegen, die Alsergrunderinnen und Alsergrunder schon frühzeitig in den Planungsprozess einzubeziehen und auf ihre Bedürfnisse und Wünsche Rücksicht zu nehmen. Im vergangenen Sommer fand eine Haushaltsbefragung statt, bei der rund 17.200 Haushalte nach ihrer Meinung und ihren Wünschen zur Neugestaltung des Bahnhofsareals befragt wurden. Diese ersten Ergebnisse wurden auch im September 2010 bei der Auftaktveranstaltung zum Beteiligungsprozess "Ideen und Ziele für das Areal Franz-Josefs-Bahnhof/WU“ diskutiert.
Dabei zeigte sich deutlich, dass sich die Alsergrunderinnen und Alsergrunder eine bessere Architektur und Infrastruktur, vor allem aber auch – etwa durch neue Gehwege – mehr Durchlässigkeit für das Areal des Franz-Josefs-Bahnhofes wünschen. Daneben besteht auch der deutliche Wunsch nach einer Verbesserung der Nahversorgung und nach mehr Grünraum.
5) Wie sieht Ihre ganz persönliche Vision für das Gelände aus?
Die Absiedlung der WU gibt uns die einmalige Möglichkeit inmitten der Stadt ein neues grünes Bezirkszentrum zu schaffen. Mir persönlich ist es dabei besonders wichtig, dass der Alsergrund wieder durchlässiger wird und die derzeitige Trennung durch die Schienen und das riesige Gebäude beendet wird. Durch eine neue architektonische Gestaltung kann aus dem Franz-Josefs-Bahnhof eine "Stadt der kurzen Wege" werden, die den Alsergrunderinnen und Alsergrundern alle Vorteile einer modernen Infrastruktur und Nahversorgung bietet, zugleich aber auch Ort zum Verweilen ist.