Hier, der Text meiner heutigen Pressekonferenz
Schieder fordert europäische Rüstungsexport-Richtlinie
Utl.: Grundlage für Engagement am Balkan und Kosovo wird weiterhin UN-Mandat sein
Wien (SK) - "Besonders große Sorgen bereitet uns, dass auch europäische Staaten im Rüstungsgeschäft wieder kräftig mitmischen und sich so an der Renaissance des Kalten Krieges beteiligen", erklärt der Internationale Sekretär der SPÖ und Nationalratsabgeordnete Andreas Schieder am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz angesichts der französischen Waffengeschäfte mit Libyen. "Diese Ausritte einzelner Staaten stellen die Union vor größere Probleme und deshalb kann die Antwort nur eine europäische sein: eine strenge EU-Rüstungsexport-Richtlinie." Ein weiterer Punkt, den Schieder ansprach, war der Balkan und die Kosovo-Frage. Schieder betonte die Wichtigkeit der Region für Österreich. "Ich warne aber vor Alleingängen einzelner Staaten, denn gerade am Balkan hat uns die
Geschichte gezeigt, dass Alleingänge zu Instabilität führen können. Deshalb gilt es einen Konsens im Rahmen der UNO zu finden und ich bin überzeugt, dass ein solcher auch gefunden werden kann."
62 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki und fast 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges habe sich wieder eine Situation eingestellt, die mit großer Sorge zu betrachten sei. So werde wieder aufgerüstet und auch in der atomaren Rüstung sei eine Renaissance zu beobachten, so Schieder, der auf US-amerikanische und russische Bestrebungen in dieser Richtung verwies. "Sehr bedenklich und verwerflich ist es aber, wenn Europa für die Freilassung der Geiseln in Libyen zahlt und Frankreich mit Waffendeals saftige Gewinne kassiert", so Schieder.
Zwtl.: "Kein Export in Kriegs- und Krisenregionen und auch nicht an
Kriegsparteien"
Um solchen Alleingängen entgegen zu wirken, brauche es eine strenge EU-Rüstungsexport-Richtlinie, die "die Rüstungsexportpolitik restriktiv gestaltet, den Export von Rüstungsgütern am Sicherheitsbedürfnis orientiert und durch die Begrenzung und Kontrolle des Rüstungsexports einen Beitrag zur Sicherung von Frieden" gewährleistet. Als mögliche Vorbilder für eine solche
Richtlinie nannte Schieder das österreichische Kriegsmaterialengesetz oder das deutsche Waffenexportgesetz. "Es geht mir aber nicht um eine Übertragung, sondern um die Idee, Waffenexporte zu reglementieren", stellte der SPÖ-Abgeordnete fest. "Eine solche Richtlinie soll jedenfalls klar regeln, dass nicht in Kriegs- und Krisenregionen und nicht an Kriegsparteien exportiert wird." Es gebe zwar einen EU-Kodex in dieser Frage, das aktuelle Beispiel Frankreichs zeige aber klar, dass dieser nicht greife.
Was die Kosovo-Frage betreffe, so gebe es von der SPÖ ein ganz klares Bekenntnis zum Athisaari-Plan, wie Schieder unterstrich. Von noch größerer Bedeutung sei es aber, eine Antwort im Konsens zu finden. "Wichtig ist die Nachhaltigkeit einer Lösung und ein Konsens, der alle Beteiligten einbindet, denn nur eine solche Lösung kann ein vernünftiges Miteinander garantieren", führte Schieder aus. "Der Balkan und die gesamte Region ist für Österreich von großer Bedeutung - in außenpolitischer und wirtschaftlicher Sicht, aber auch, was das, von allen Seiten als äußerst positiv bewertete, Engagement des Bundesheers in dieser Region betrifft." Das Engagement müsse deshalb auf Basis von UN-Resolutionen weiterhin aufrecht erhalten werden, so Schieder, der abschließend auch ankündigte, im Herbst in der Zusammenarbeit mit den sozialdemokratischen Schwesterparteien des Westbalkans einen Schwerpunkt seiner Arbeit zu legen.