Wenn die USA nicht über konkrete Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase gesprächsbereit sei, dann werde Paris nicht als Ort für ein im Februar geplantes Treffen der größten Industrieländer zur Verfügung stehen - so die klare Ansage des französischen Delegationsleiters auf die Weigerung der US-Administration, endlich konkrete Schritte im Klimaschutz zu gehen. Auch der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel machte Druck auf die USA: "Wenn auf Bali keine Klimaziele vereinbart werden, wird die EU nicht mehr an den von US-Präsident George W. Bush organisierten Klimagesprächen der wichtigsten Wirtschaftsmächte teilnehmen." Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore fand in einer viel beklatschten Rede gestern abends klare Worte für das Verhalten der USA: "Mein eigenes Land, die Vereinigten Staaten, sind das größte Hindernis für einen Fortschritt auf Bali!" bekannte er und war aber doch hoffnungsvoll: "Wir sind die Generation die alles hat (...) außer den politischen Willen. Aber politischer Wille ist eine erneuerbare Ressource!"
Mittlerweile gibt es eine Einigung über den Transfer von umweltfreundlichen Technologien in die Entwicklungsländer. Diese ist allerdings sehr vage und sagt nur, dass Konkretes demnächst in einer Arbeitsgruppe zu klären sei.
Auch beim Bereich Capacity building und der Verhinderung der Entwaldung hat es eine Einigung gegeben, so konnten unter anderem Indien und China ins Boot geholt werden. Was nur nach wie vor offen ist, ist die Frage, ob man sich auf konkrete Reduktions-Zahlen von minus 25 bis 40 % bis 2020, wie schon im Sommer auf der Klimakonferenz in Wien beschlossen, einigen kann - und da sind die USA und Japan die großen Blockierer. Einen eindringlichen Vergleich brachte im vormittags stattgefundenen Presse Briefing Tony Juniper von Friends of the Earth International: "Die USA verhalten sich wie Business Class Passagiere in einem abstürzenden Flugzeug, die so tun, als wären vom demnächst stattfindenden Aufprall nur die Passagiere der Economy Class betroffen."
Einige Anwesende mit Klima-Konferenzen-Erfahrung sind über einen positiven Ausgang der Konferenz skeptisch: es besteht die Gefahr, dass die Verhandlungen zu lange dauern, dass viele Dinge, auf die es schon eine Einigung gegeben hat, nochmals aufgeschnürt werden und mit neuen Fragen junktimiert werden. Der sonst eher übliche Zeitdruck helfe über solche Fallen normalerweise hinweg. Darüber hinaus herrscht Enttäuschung darüber, dass es einen so weiten Rückfall in den Positionen von Wien und New York gibt. Noch im September gab es viel konkretere Zusagen von Regierungschefs, die nun vergessen scheinen.
Aus meinem Erleben spielt Österreich hier ausschließlich auf technischem Level eine Rolle, wo Beamte in Arbeitsgruppen höchst aktiv sind. Politisch werden wir hier kaum wahrgenommen, was wohl nicht nur an der Kleinheit unseres Landes sondern auch an unserer nationalen schlechten Treibhausgas-Reduktions-Performance liegt. Auch die Tatsache, dass ich die einzige österreichische Parlamentarierin bin (und meines Wissens nach auch bei der Klimakonferenz in Wien alleine das Parlament vertreten habe) führt bei den Kolleginnen aus Finnland, Dänemark und sogar den USA zu Kopfschütteln - sie sind hier alle wesentlich stärker vertreten und somit wesentlich wahrnehmbarer.
Alle sind gespannt, was die weiteren Verhandlungen bringen werden, aus denen momentan nicht viel heraussickert. Aber keiner hier auf Bali rechnet mit einem baldigen Ergebnis.