Kennen Sie den Spielfilm "Zeit des Erwachens" in dem der Hauptdarsteller, Robert de Niro an einer Schlafkrankheit leidet? Bis ein Mittel gefunden wird und aus dem dahindämmernden Patienten ein wacher Geist wird? Ich habe den Eindruck, Wilhelm Molterer ist der heimliche Robert de Niro der Innenpolitik. Dass er plötzlich aufwacht und unsere langjährige Forderung des einkommensbezogenen Karenzgeldes übernimmt ist ein ähnliches Wunder wie im Film "Zeit des Erwachens". Das Wunderheilmittel scheint „Wahlkampf“ zu heißen.
Plötzlich fordert auch die ÖVP –so wie wir seit Jahren – ein einkommensbezogenes Karenzgeld. Dieser Wandel der ÖVP ist sachlich sehr begrüßenswert, weil das wieder ein echter Einkommensersatz wäre und damit auch eine höhere Väterbeteiligung und gleichzeitig bessere Karrierechancen für Frauen bedeutet.
SPÖ-Frauenvorsitzende Barbara Prammer hat zum Beispiel schon 1999 öffentlich erklärt, dass es das SPÖ-Ziel ist, ein einkommensabhängiges Karenzgeld zu schaffen, von dem man wirklich leben kann. ÖVP-Minister Bartenstein dagegen meinte dazu, wenn man den Vorschlag aufgreift, dann müsse Prammer wissen, "dass dieses Modell von der Finanzierbarkeit außer jeder Reichweite liegt und daher jeder Ernsthaftigkeit entbehrt."
Umso feiner, dass die ÖVP endlich erwacht ist und den dringenden Wünschen der Menschen in Österreich nachkommen will.
Aber, die Sache hat einen Haken: Der Film geht gar nicht gut aus. Der Patient de Niro verfällt am Ende des Films wieder in seinen schweren Dämmerzustand. Ich hoffe, dass Wilhelm Molterer nach dem Wahlkampf nicht wieder in Schlaf versinkt. Schließlich hat die ÖVP diese Frage lange genug verschlafen.