Vor zwei Wochen fand der PES Council in Warschau statt, und was da passiert ist, kommt einer kleinen Revolution gleich: Es wird für den Kandidaten zum Kommissionspräsidenten interne Vorwahlen geben. Warum ist das so wichtig?
Zuallererst muss man wissen, was die PES ist: nämlich keinesfalls eine Partei im eigentlichen Sinne, sondern ein Dachverband europäischer sozialdemokratischer, sozialistischer und Labour-Partein mit aktuell 33 Mitgliedern. Die PES selbst hat keine Mitglieder, sondern Activists. Was es mit denen auf sich hat, erkläre ich später noch. Das Problem an diesem föderalistischen Aufbau ist jetzt, dass die PES an und für sich wenig Durchschlagskraft hat, sie ist auf die Stärke und das Wohlwollen der nationalen Partein angewiesen. Und da die SPÖ zum Beispiel im Moment eher euroskeptisch ist, kommt eben wenig Input von Seiten der Österreichischen Sozialdemokratie. Die PES kann keine europaweiten Kampagenen oder gar Wahlkämpfe führen, wenn das die Mitgliedpartein nicht wollen - schließlich hat die PES keine Strukturen in den jeweiligen Ländern und muss sich daher komplett auf die nationalen Partein verlassen.
Die PES Activists wurden geschaffen, um diesen Schritt ein bisschen zu steuern: PES Activist kann jeder werden, der auch Mitglied einer Mitgliedspartei der PES ist. Damit baut die PES so etwas wie Ihren eigenen "Mitgliederstamm" auf, mit dem man eben auch europäische Kampagenn fahren kann. Bestes Beispiel: Die Kampagen zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer.
Die PES ist genau wie Europa an und für sich, also realtiv weit von Ihren Mitgliedern / Bürgern entfernt. Und deshalb ist es so wichtig, dass interne Vorwahlen geschaffen wurden. Das ermöglicht erstmals, dass Personen, die kein Mandat haben, Einfluss auf die Partei nehmen können. Wie genau das Prozedere aussehen wird, wird derzeit von einer Arbeitsgruppe erarbeitet, der auch der Österreicher Karl Duffek, Leiter des Renner-Institutes angehört. Erste Ergebnisse werden Mitte 2011 erwartet.
Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Die PES Activists selbst sind rechtlich nicht organisiert und ohne Struktur. Bisherige Aktionen wie etwa sogenannte Campaign Exchanges (Hier werden Activists in ein europäisches Land eingeladen, um in Wahlkämpfen mitzuhelfen) basieren auf der Initiative der nationalen Partein bzw. einzelner City-Groups (die die einzige Organisationsform der Activists darstellen). Das soll sich ändern. Ein erster Schritt wurde mit dem Activists Proposal erreicht, der es Activists ermöglicht, Petitionen direkt an die PES zu richten. Nötig dafür sind 500 Unterschriften von Activists aus mindestens 17 verschiedenen Mitgliedspartein. Doch selbst so ein Proposal ist ohne dementsprechende Struktur schwer zu organisieren.

PES Activists Meeting 2009 in Dublin
Daher haben einige Activists nun in Eigeninitiative in Warschau eine Gruppe ins Leben gerufen, die als Planungskommitee fungieren soll. Mitglieder sind unter anderem Desmond O'Toole und Jose Santos, die erfolgreich für die internen Vorwahlen lobbyiert haben, und noch ein Haufen anderer Activists aus ganz Europa. Ich bin ebenfalls Mitglied. Das "Gründungsdokument" der Gruppe stelle ich online, sobald es übersetzt ist.
Ziel ist es, bis nächstes Jahr eine Art Struktur zu schaffen, die es Activists ermöglicht, politische Kampagnen zu fahren und generell Einfluss in der PES zu gewinnen. Und genau um das zu erreichen, braucht es aber auch starke nationale Sektionen der Activists.
Aber auch ein zweiter Schritt ist gestern, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, passiert: Die European Citizens Initiative, die europäische Bürgerpetition ist beschlossen worden. Damit ist es künfitg möglich, mit einer Million Unterschriften aus 7 verschiedenen Mitgliedsländern der Europäischen Union eine Petition direkt an das EU-Parlament zu richten. Das ist ein riesengroßer Schritt in Richtung mehr Demokratie und Bürgerbeteiligung. Und auch hier sind die Activists gefragt: So plant die Fraktion der Sozialdemokraten im Europaparlament, S&D, eine Petition zur Einführung einer europäischen Finanztransaktionssteuer.
Alles in allem ist die Stärkung der Activists ein Schritt in Richtung einer echten Europäischen Sozialdemokratischen Partei, die bei Europawahlen mit einer Liste und gemeinsamen Kandidaten anstatt 27 nationalen Ableger kandidiert. Und letztendlich ist das etwas, für das sich die Sozialdemokratie immer eingesetzt hat - der Internationale Aspekt ging allerdings in den letzten Jahren sehr verloren. Aber gerade in Zeiten, in denen Politik nicht an Nationalgrenzen endet, ist er wichtiger den je. Die heutigen Probleme, wie etwa die Wirtschaftskrise, Arbeitsosigkeit, oder auch Klimawandel, das sind Dinge, die einer eruopäischen Lösung bedürfen. Das Kapital ist global geworden - die Politik muss nun nachziehen. Die PES Activists sind ein erster Schritt dazu.

michael mayer schreibt am 2010-12-16 12:44:52

Michael Leiblfinger schreibt am 2009-09-08 09:31:43
Bettina Stadlbauer
- 2 Artikel