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politik von ihrer besten site

der wutzlhofer.net - blog. eindrücke, ausfälle, pressetexte, reflexionen. alles halt, was so einen politiker zum schreiben bringt...

Öffentlich, seit 2006-10-30 20:46:59 eröffnet von Jürgen Wutzlhofer

Letzte Änderung: 2009-03-10 12:25:49

Vorweihnachtliche Post

Jürgen Wutzlhofer schreibt am 2010-12-22 10:07:34

Ich bekomme viel Post dieser Tage und daher, vorab: Danke! Ich bewundere die Konsequenz und Energie, die es so vielen ermöglicht, in der besinnungslosesten Zeit des Jahres nicht nur an letzte Termine und Geschenkideen zu denken. Sondern eben auch an Freunde und Bekannte. So kann auch ich mich über viele gute Weihnachtswünsche freuen, obwohl ich selbst mangels organisatorischer Aufgeräumtheit kaum im Stande bin, solche auszuteilen. Auch Bemerkenswertes hat mich erreicht. Dazu zwei Beispiele.

Beispiel 1: Unterschiedliche Sichtweisen zum antifaschistischen Grundkonsens.

Nicht jede vorweihnachtliche Post muss das Weihnachtsfest zum Inhalt haben. Kurz nach der Wiener Wahl wurde im ORF ein Club 2 ausgesrahlt, der in Zusammensetzung, Themenwahl und was die Aussagen einiger TeilnehmerInnen betroffen hat, Übelkeit erregte. Der Titel war “Ruck nach rechts. Das Spiel mit der Fremdenangst”. Dabei bekamen unter anderem der rechtsextreme Lothar Höbelt oder auch die Anti-Islam-Hetzerin Elisabeth Sabaditsch-Wolff ein breites Podium. Deren “Argumenten”, in denen es pauschalisierend um “die Türken” oder “den Islam” ging, wurde von den anderen DiskussionsteilnehmerInnen leider kaum Sinnvolles entgegengehalten. Moderator Rabl hat im Grunde genommen auch noch bestätigt, dass es ja um ein “Problem mit Zehntausenden nicht integrierten und nicht integrationswilligen Türken” geht. Differenzierendes wurde kaum gesagt. Ich will das jetzt hier nicht weiter verbreitern. Jedenfalls haben rund 60 Uni-ProfessorInnen und andere einen offenen Brief geschrieben, um gegen die ORF-Vorgangsweise zu protestieren: club 2 brief_14okt2010

Den Brief hab ich damals auch unterstützt. Gestern erreicht mich in einem Mail von Brief-Initiator Ulrich Brand die ORF-Antwort:

S.g. Herr Professor Brand,

Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Sendung und ihre Stellungnahme.

Der Club 2 hat sich zum Ziel gesetzt, ein Forum der breiten, offenen Diskussion zu sein, in dem sehr gegensätzliche, oft auch provokante Thesen aufeinanderprallen können und sollen. Drei Tage nach dem Wahlerfolg der Freiheitlichen in Wien schien es doch geboten, sich mit den Ursachen und Wirkungen des Rechtpopulismus oder Rechtsextremismus auseinanderzusetzen. Dazu gehört es aus meiner Sicht, dass auch Vertreter des rechten Lagers zu Wort kommen. Den drei Vertretern der „rechten“ Positionen saßen drei scharfe Kritiker gegenüber, sowie ein Politologe, was eine sehr lebhafte Diskussion ergab.

Der Club 2 versteht sich als Plattform des freien Wortes, das muss auch für Menschen mit gesellschaftspolitisch rechten Positionen gelten, genauso wie für solche mit linken Positionen, sofern ihre Argumente auch Argumenten der Kritiker gegenübergestellt werden. Was im besagten Club auch geschah.

Ihre Unterstellung, dass die Club-2-Redaktion den antifaschistischen Grundkonsens der Republik gebrochen habe, ist auf das Entschiedenste zurückzuweisen. Gerade dem Club 2 diesen Vorwurf zu machen, ist absurd und geradezu lächerlich, betrachtet man die Themenpalette der Clubs in den vergangenen Jahren. Wir setzen uns regelmäßig mit gesellschaftspolitisch relevanten Strömungen auseinander, und wenn 27 Prozent der Wiener die FPÖ wählen, dann ist das auch für eine Diskussionsendung wie den Club 2 von Relevanz.

Ich hoffe, dass Sie diesen Argumenten etwas abgewinnen können und freue mich, wenn Sie der wachsenden Club-2 –Gemeinde treu bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Robert Stoppacher

Leiter Diskussionen Fernsehen

Mich ärgert das, und zwar sehr. Erstens ärgert mich, wenn sich eine Integrationsdebatte auf das Wiederkäuen von Platitüden und pauschalisierenden “Problembeobachtungen” beschränkt. Und das dann unter dem Credo des “Man wird ja noch sagen dürfen, dass…”. (Das ärgert mich auch, denn wer hat jemals behauptet, dass man sowas nicht “sagen darf”? Die Tatsache, dass intellektuell ähnlich anspruchsvolle Welterklärungsansätze permanent öffentlich erläutert werden, spricht ja ziemlich dagegen. Und deren Niederschlag in dem einen oder anderen österreichischen Medium auch…)

Was mich genauso ärgert ist die Reaktion von Robert Stoppacher im Namen des ORF. Selbstverständlich kann man Dinge unterschiedlich sehen. Aber dass ein ernst gemeinter und in voller Betroffenheit vorgebrauchter Vorwurf von 60 Uni-Leuten ausschließlich als “absurd und geradezu lächerlich” abgeschaßelt wird, ohne auch nur ein Fünkchen Nachdenklichkeit auszulösen…das ist schon ein starkes Stück. Es macht mich echt betroffen. Das alles wirkt eher wie ein trotzig-rotziger Gegenangriff eines auf frischer Tat ertappten Lausbuben und nicht wie eine klug-abwägende Auseinandersetzung. Ohne Letztere wird aber kein Problem im Zusammenhang mit Integration, kein komplexeres Problem überhaupt lösbar sein. Auch einem, der “sich ohne Antifa-Schaum vor dem Mund mit den alltäglichen Realitäten” (Rabl, oben bereits zitiert…) auseinandersetzt ist zumutbar, dass er die Welt in Nuancen wahrnimmt. Denn: “Die Türken” sind nicht unintegriert. “Die Türken” sind auch nicht frauenfeindlich und “die Türken” besetzen auch nicht gewaltsam Parks. “Die Türken” gibt es nicht. Genauso nicht wie “unsere Leut”. Auf allfällige Tipps für mein Politiker-Handeln auf Basis solcher Wirklichkeits-Konstruktionen kann ich verzichten . Da denke ich lieber selber nach.

Beispiel 2. Endlich Weihnachtliches

Die Jahresendzeit soll ja nicht ausschließlich ein Blick zurück im Zorn sein. Exemplarisch für vieles Richtige und Gute, das in den letzten Tagen in meiner Post war: Ein Weihnachtswunsch von “News on Video” (die Macher meines personalisierten Wahlkampf-Filmchens).Here we go:

Was sich News on Video zu Weihnachten wünscht? Eine tolerante, offene Gesellschaft in der sich die Menschen mit Achtung und Respekt begegnen, geprägt von Nächstenliebe und Solidarität.
Und weil das Christkind solche Wünsche nicht erfüllt, unterstützen wir die Initiative respekt.net.

Wir würden uns freuen, wenn sich im Kreis unserer FreundInnen und KundInnen engagierte Menschen finden, die sich auch für Respekt stark machen!

Also: Wer noch Weihnachts-Investments machen möchte….guter Tipp, finde ich.

Link: http://www.wutzlhofer.net/?p=1104

Pisa, ein Trauerspiel.

Jürgen Wutzlhofer schreibt am 2010-12-06 21:37:45

Dass es um die Lese- und Schreibkompetenzen in Österreich schlecht bestellt ist, geht schon aus dem ORF-online-Beitrag zum neuen PISA-Test hervor:

“Reofrmen” sind auf alle Fälle notwendig. Und sicherlich kommt die Forderung nach ihnen auch aus richtigem Munde. Denn Claudia Schmied ist was den Zustand des österreichischen Bildungssystems betrifft nun wirklich kaum ein Vorwurf zu machen. Während Jahrzehntelang überhaupt nix passiert ist, hat sie in wenigen Jahren eine ganze Menge Eis aufbrechen können. Die neue Mittelschule und die Senkung der KlassenschülerInnenhöchstzahl (what a word….) auf 25 sind nur zwei Beispiele für die wohltuende Abwechslung zu Gehrer-Beton.

Trotzdem: Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob die Reformen, die überhaupt möglich sind, wenn der Koalitionspartner ÖVP heißt, reichen. Das heißt, eigentlich bin ich mir schon sicher. Und zwar, dass sie das nicht tun. Ich will eine Schule

  • in der alle SchülerInnen die gleichen Startbedingungen vorfinden und innerhalb dieser individuell gefördert werden,
  • in der SchülerInnen selbstbestimmt lernen statt nach starren Plänen pauken,
  • in der Kritikfähigkeit, Demokratiebewusstsein und Emanzipation vermittelt wird,
  • die ganztags und für alle, mit ausreichend Spiel-, Sport-, Kreativitäts- und Lernphasen stattfindet,
  • die Spaß, ja: Gier nach Wissen weckt,
  • in der LehrerInnen mit einer zeitgemäßen, gemeinsamen, akademischen Aus- und Weiterbildung für die großen Anforderungen an sie fit gemacht werden,
  • und in der Stakeholder wie Gewerkschaft und Politik in gegenseitigem, kreativen Austausch von weiteren Verbesserungsvorschlägen stehen statt in einem Blockadewettkampf, der schon beim Zuschauen so viel Energie aufsaugt wie die grauen Männer bei Momo.

Eine solche Schule ist in unserem Land, in dem Pröll d.Ä. und Pröll d. J. Bildungsdebatten führen, leider weiterhin Utopie. Besonders traurig stimmt, dass das alles nicht neu ist. Die Idee der Gesamtschule in Österreich ist so ein Beispiel. Sie stammt aus 1920. Da hat Otto Glöckel, damals Unterrichtssekretär der Regierung, die “Leit- und Grundsätze” zur Schulreform erstmals formuliert. Seine “Feststellungen im Kampfe gegen die Schulverderber” 1923. Und die Thesen zur “Arbeitsschule”, die die “Einheitsschule bis 14″ voraussetzten, sind 1928 erstpubliziert. Otto Glöckels Thesen haben 90 Jahre später nichts, aber auch gar nichts an Aktualität verloren. Nur…wer kann sie heute noch lesen?

Link: http://www.wutzlhofer.net/?p=1094

Wir haben viel vor…

Jürgen Wutzlhofer schreibt am 2010-11-12 13:07:13

Rot-grün steht. In den kommenden fünf Jahren ist viel Arbeit zu tun. Wir werden zeigen, dass Wien ein Gegenmodell sein kann zu Reaktionär-Rückschrittlichem, aber auch zu einer mitunter dann doch recht zähen großkoalitionären Konsenspolitik um den kleinen gemeinsamen Nenner.
Das Regierungsübereinkommen beinhaltet eine ganze Menge an Riesenschritten in die richtige Richtung und ist für uns StadtpolitikerInnen daher ein ganz schöner Arbeitsauftrag. Beispiele: ein starker weiterer Ausbau an Kinderbetreuungsplätzen (Ziel: Plätze für 50% der 1-3-jährigen), die Forderung nach einer flächendeckenden gemeinsamen Schule der 6-15-jährigen, der starke Ausbau alternativer pädagogischer Zugänge in unseren Schulen (+50 Mehrstufenklassen), mehr Demokratie, mehr Radwege, ein eigener Gemeinderatsausschuss für Europapolitik und so weiter.
Die Lektüre des Regierungsübereinkommens kann ich auf alle Fälle wärmstens ans Herz legen. Und ich freue mich darauf, in den kommenden Jahren daran gemessen zu werden!

Link: http://www.wutzlhofer.net/?p=1092

Memento mori…

Jürgen Wutzlhofer schreibt am 2010-10-24 21:15:20

…klingt zwar ein bisschen nach “Momentum”, trotzdem war das einzige, was mich in den letzten vier Tagen in Hallstatt in Endzeitstimmung gebracht hat, das Beinhaus

…mit seinen über 600 bemalten Totenschädeln.
Beim Momentum-Kongress waren ebenso ziemlich viele Köpfe im Spiel, allerdings lebendige. Sehr lebendige. Ich war dabei, und ich genoss die wissenschaftliche und politische Auseinandersetzung mit der Welt, wie sie ist, und der, wie sie sein soll, sehr. Für meinen gemeinsamen Beitrag mit Harald Katzmair über die “Restrukturierung von Gesellschaft in small group movements” konnte ich viel Neues von den vielen Stunden mit anregenden Diskussionen lernen.
Jetzt bin ich voll mit Ideen, und ich glaube, es geht nicht nur mir so. Ein großes Lob für das Organisationsteam rund um Joe Weidenholzer und Barbara Blaha!

Link: http://www.wutzlhofer.net/?p=1073

Reden wir darüber!

Jürgen Wutzlhofer schreibt am 2010-10-22 19:02:42

:-)


Link: http://www.wutzlhofer.net/?p=1069

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