Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz. Das ist der Wortlaut des Artikels 8, Abs. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention. Gestern morgen um 6.50 reißen mehrere bewaffnete WEGA-Beamte einen Vater mit seinen zwei neunjährigen Mädchen aus dem Schlaf, um sie in Schubhaft zu nehmen. Die Mutter ist erst einen Tag zuvor wegen Selbstmordgefahr stationär im Krankenhaus aufgenommen worden. Vater und Kinder sollen bereits heute in das Kosovo abgeschoben werden – getrennt von Frau bzw. Mutter.
Ich kann nicht erkennen, was dieses Rambo-Vorgehen mit dem Artikel 8 EMRK gemein hat. Darüberhinaus verletzt die Schubhaft der Neunjährigen auch deren Kinderrechte. Aber, abgesehen von dem Ganzen: Wenn Minderjährige (die 2/3 ihres Lebens in Österreich verbracht haben und so wie ihre Eltern integriert sind) von ihrer Mutter getrennt und in Haft genommen werden, dann läuft etwas fundamental falsch. Es ist unwürdig und unfassbar, dass Kindern ein solches Trauma zugefügt wird, nur damit sich die Innenministerin als eiserne Lady positionieren kann.
Gernot Rammer, der Bundesgeschäftsführer der Kinderfreunde, formuliert das so: “Es ist ein unwürdiges Schauspiel, dass hier Kinder für unmenschliche Law-and-Order-Politik herhalten müssen”. Dem hab ich nichts hinzuzufügen.
***Update 10.50: Sehr klare Worte hat Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger für die SPÖ Wien gefunden. ***
***Update 11.10: Jetzt gibt’s meine Aussagen auch “amtlich”, in einer gemeinsamen Presseaussendung mit meinen KollegInnen Tanja Wehsely, Nurten Yilmaz, Siegi Lindenmayr und Peko Baxant.***
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Jürgen Wutzlhofer schreibt am 2010-10-07 08:37:21

