2006 erhielt ich - unaufgefordert - als abgeordnete im nr e-mails von gerd honsik, in denen er gegen das verbotsgesetz auftrat, wüste thesen über mischmenschen beschrieb und generell einfach hetzte. ich leitete diese e-mails an die staatsanwaltschaft und an das innenministerium weiter. lange zeit erhielt ich keine reaktion. daraufhin richtete ich an die damalige justizministerin maria berger und den damaligen innenminister günther platter parlamentarische anfragen, ob und warum honsik dies ungestraft und vor allem unausgeliefert aus spanien machen könnte. maria berger reagierte, ließ dies im ministerium prüfen, nahm mit den spanischen behörden kontakt auf und so wurde honsik schließlich in spanien verhaftet und 2007 nach österreich ausgeliefert.
gestern startete nun endlich der prozess gegen ihn. ich war die ersten beiden stunden dabei, hörte das statement des staatsanwalts und des verteidigers und auch kurz honsik selber. ich stehe noch immer unter dem eindruck des gehörten und gesehenen und kann es kaum glauben, welche aussagen ungestraft gemacht werden können.
der staatsanwalt informierte, dass die anklage 25 punkte umfasst und ein schuldspruch unumgänglich wäre. er bezeichnete honsik als gaskammern- und judenvernichtungsleugner, als wiederbetätiger und als geschichtsfälscher. der staatsanwalt ist noch sehr jung und ist - wie er selber zu den geschworenen gesagt hat - weit weniger erfahren, als der antwalt von honsik. trotzdem hat er mich wegen seines engagements sehr beeindruckt.
der anwalt von honsik, schaller, fiel durch seine krausen aussagen auf. der 87-jährige, der sich selber als opfer von "angriffen des staates, der von parteien beherrscht wird" sieht meinte u.a.:
- honsik wäre nie wegen gaskammernleugnung verurteilt worden, sondern 1961/62 wegen einer harmlosen böllerei in südtirol
- honsik wäre nach redlichem bemühen zu einer gewissen meinung gekommen, darum wäre er kein lügner, was die existenz von gaskammern anbelangt
- in diktaturen wurden geschworenengerichte abgeschafft. in deutschland wurden sie nicht mehr eingeführt. da sind ja auch noch immer die besatzungsmächte.
- französische, sozialistische widerstandskämpfer, die selber einige jahre im kz gewesen sind, wären die ersten gewesen, die die existenz von gaskammer geleugnet hätten
- der staatsanwalt will, weil er glaubt, dass es gaskammern gegeben hat, dass honsik verurteilt wird, der das nicht glaubt.
- gaskammern sind keine tatsache, sondern eine "notorische" tatsache, weil das herrschende meinung ist
- wer gaskammern bestreitet, ist auf der seite der anständigen menschen, die nicht glauben können, dass die großelterngeneration dazu fähig war
- sachbeweise müssten bei gaskammern zugelassen werden, bisher stützt sich alles nur auf zeugenaussagen. aber mit dna-analysen könnten auch mutmaßliche mörder in amerika aus der todeszelle befreit werden.
honsik selber habe ich dann nur mehr einige minuten erlebt. er bekannte sich nicht schuldig und meinte, nie rassist, antisemit oder nationalsozialist gewesen zu sein.
mir wurde echt schlecht, aber andererseits war der vormittag sehr lehrreich und prägend. vor allem auch die 70+männer, die scheinbar zur unterstützung von honsik im saal waren aber auch die jungen männer mit den ewiggestrigen frisuren und schmissen im gesicht. da wusste ich wieder, warum ich politisch völlig auf der anderen seite stehe und dass es sich lohnt, gegen rechts aufzutreten.
ich werden den prozess sicher weiter verfolgen, die eine oder andere stunde noch im gerichtssaal zubringen und hoffe sehr auf eine angemessene, gerechte strafe. dass honsik und seine kumpanen damit durch kommen, das darf einfach nicht sein.



Bettina Stadlbauer
schreibt am 2009-04-21 15:38:41