Benutzen Sie die Hilfslinks zum Navigieren in diesem barrierefreien Dokument.

Metanavigation

Günter Tolar Blog

Zur Erinnerung: Ich bin der ehemalige vom Fernsehen Ich bin der Schriftsteller Ich bin der Schauspieler Ich bin der Schwule und Ich bin zwar schon ein wenig weg vom offiziellen Fenster, wenn ich aber etwas sagen möchte, dann sage ich es hier.

DIE SPÖ IST EINE GRUNDANSTÄNDIGE PARTEI!

Günter Tolar schreibt am 2009-06-13 10:52:49

Ich weiß schon, diese Überschrift wird unsere parteiinternen Matschkerer überraschen.
Dennoch wage ich es, ein paar Anmerkungen unter dieser Überschrift anzubringen.
Warum wird die SPÖ dauernd - und zwar von (fast) allen - geprügelt?
Wenn die SPÖ auf Konfrontation geht, streitet sie.
Wenn die SPÖ nicht auf Konfrontation geht, kuschelt sie.
Dass es dazwischen so etwas wie zielgerichtetes themengerechtes Arbeiten gibt, ist unspektakulär.
Viele Stammwähler sind verärgert, vergrämt.
Warum bitte?
Viele haben H.P. Martin gewählt.
Wozu bitte? Was bringt er? Was kann er bringen?
Dabei müssen wir ihm noch dankbar sein, weil er bei der EU-Wahl viele Protestwähler aufgefangen hat, bevor sie zu H.C. Strache gegangen sind. Ich denke mit Schaudern an die kommende Wiener Wahl - da tritt kein Martin an. Werden sie dann alle zu Strache rennen?
Man müsste diesen Luxus-Protestierern einmal für 1 Monat alles das wegnehmen, was ihnen die SPÖ verschafft hat, damit sie endlich draufkommen, wer für wen was tut.
Und damit sie draufkommen, wer nur die Goschn weit offen hat, weil er das, was er sagt, sowieso nicht durchführen und daher nicht verantworten muss.
Kann es sein, dass es denen, die mit ihrer Wählerstimme so leichtfertig umgehen, als wäre sie Spielgeld, noch immer zu gut geht? Müssen immer Zeiten kommen, in denen es der Bevölkerung so schlecht geht, bis sie endlich bemerken, dass jetzt Schluss mit Lustig ist?
Eine Partei "abstrafen", indem ich ihr als Stammwähler nicht meine Stimme gebe, hat als Entscheidungsbasis das Dagegen-Sein. Dagegen-Sein ist aber eine schlechte Entscheidungsgrundlage, weil sie nur definiert, wogegen einer ist, und nicht, wofür einer ist. Ich bin dafür, dass ich dagegen bin - ich glaube Nestroy hat das vor 150 Jahren gesagt. Dieser gescheite Satz definiert aber im Kern Dummheit.
Ich sage es noch einmal:
Die SPÖ ist eine grundanständige Partei.
Aber Anstand ist nicht laut, Anstand ist unspektakulär. Und wer heute nicht laut ist, wer heute nicht spektakulär ist, wer heute nicht unanständig ist, wird vom Wähler als schwach wahrgenommen.
Wie wäre es, wenn man unsere Parteien einmal nach ihren Taten messen würde, statt an gebrüllten Worten und oralen Darmentleerungen?
Dann würden die HCs und wie die Schmissbrüder alle heißen schlecht aussehen.
Noch eine Frage:
Wo sind die Grünen geblieben? Mehr als eine kurze Frage sind sie derzeit leider nicht wert.

Trackback:

Kommentare

Roman Allmeder am 2009-06-14 07:19:29

Was wir brauchen ist ein neuer Zugang zu den Menschen

Brav sein ist gut und schön, das ist esaber nicht allein, was ich mir von einer modernen SPÖ erwarte. Gut (zusammen)arbeiten, ja was denn sonst, wofür werden die Politiker denn bezahlt, wenn nicht für das Arbeiten.

Die Frage muss deshalb anders lauten: Schafft es die SPÖ attraktive Visionen zu gebären, schafft es die Partei, die Probleme der Menschen nicht nur schönzureden, sondern auch in ihre Zukunftskonzepte und in ihre kurzfristigen Überlegungen aufzunehmen.

Und, last but not least: Wird das alles so kommuniziert, dass sich die Menschen nicht allein gelassen fühlen. Hier muss jemand für die Wähler einstehen, ihnen zuhören, auf sie zugehen, der auch die Goschn aufreißt, nicht nur brav ist. Hände faltet schon die Konkurrenz.

Deshalb braucht es eine neue Plattform der Kommunikation. Botschaften auf Youtube und Twitter mögen schon ein paar hundert Jugendliche ansprechen, die breite Masse der Jugendlichen, vor allem jene aus Submilieus, werden wir durch persönliche Kontakte besser erreichen.

Die Menschen wollen Politiker, die sie spüren können. Menschen, die sich auf Marktplätzen regelmäßig ihre Sorgen anhören und auch danach ihre Politik ausrichten. Wenn die Politiker dorthin gehen, wo es wehtut, dann werden sie auch wieder gewählt werden.

Ja, Solidarität ist uns wichtig, sachliche Kritik aber deshalb nicht unwichtig. Das unterscheidet uns von Lämmern oder Lemmingen.

Günter Tolar am 2009-06-14 10:43:26

DU HAST VÖLLIG RECHT

Um das, was du sagst, zu erreichen und zu bewirken, braucht es aber auch Ehrlichkeit. Mir wird immer zu viel taktiert und verklausuliert. Hinter jeder politischen Aktion ist (meist zu Recht) ein doppelter Boden zu vermuten. Die Oberfläche ist indifferent, und was sich in der Tiefe abspielt, sehen wir nicht, sollen es vermutlich auch nicht sehen.
Politik, die man nicht sehen soll, bewirkt aber genau das, was wir jetzt dauernd erleben: Die Leute wissen nicht, wofür wer steht. Da kommen dann die Kurz-Botschaften von HC und HP eben an. Und warum? Weil sie verstanden werden.
Die Politik der SPÖ ist in vielen Themenbereichen ein gut gehütetes Geheimnis. Und das ist einfach schlecht.
Ich hoffe nur, dass anlässlich der Wien-Wahl die dauernden Sich-Selbst-Lober und die Wir-Sind-Doch-Eh-So-Gut - Akrobaten, von denen die Wiener SPÖ leider überhäuft ist, aufwachen und sich denen zuwenden, um die es geht: Den Menschen, die sichtlich mit der SPÖ und den, was ihnen als Politik vermittelt wird unzufrieden sind.
Manchmal kommt es mir so vor, als wüssten die Politiker sehr genau, was draußen los ist. Aber es nützen auch die besten und geschicktesten Kommunikationswege nichts, wenn man zu feig ist, oder zu ignorant, sich den Menschen zu stellen.
Wer heute zu den Menschen geht, gewinnt sie auch. Du musst es ihnen selber sagen. Nicht ausrichten lassen. So einfach ist das. Wäre das!

Ernst Ranftl am 2009-06-14 13:23:31

Arbeiter- "bewegung?"

Ob sich in unserer hohen Parteiführung einmal jemand darüber Gedanken machen möchte?

Bewegung:
sich bewegen, etwas oder jemanden bewegen, verändern, gestalten, agieren, kollektives Verhalten.

Im Gegensatz dazu:
Warum wird die SPÖ von zu vielen jungen Menschen als die Pensionistenpartei gesehen?

Ernst Ranftl, GV OPV

Herwig Hinterhofer am 2009-06-14 20:19:45

Panik?

Wenn ich jetzt miterlebe wie Werner Faymann sich hinter die Innenministerin stellt, kommen mir ernsthafte Zweifel an der Anständigkeit - dieser Art von Politik.

Das war nicht nur ein sehr negatives Signal für die sozialdemokratische Basis, darüber hinaus hat diese vermutliche WählerInnenwerbe-Aktion eine SACHLICHE Diskussion über das Thema verunmöglicht.

Auf mich machen solche Ausritte den Eindruck von Panik.

fritz koehler am 2009-06-14 21:09:09

tja, wenn man so genau weiß was man will, dann sollte man sich als parteiapparat

eben auch hinter die klaren und kritischen forderungen und überlegungen eines hannes swoboda stellen und seine presseaussendungen über die parteischiene auch unterstützen statt sie zu unterdrücken!
und dann auch noch 1 woche vor der wahl GEGEN den spitzenkandidaten argumentieren!
jede anständigkeit ehrlich arbeitender sozialdemokraten wird so wirkungsvoll untergraben.

und wenn 1 tag nach der wahl die frau prets als temamitglied im ORF sagt, "das wahlprogramm des EU-A- teams" sei falsch gewesen, dann ist das doch ganz deutlich UNANSTÄNDIG.

oder?

Klaus Bergmaier am 2009-06-14 21:27:21

Die einzige Chance ist Bildung, Bildung, Bildung!

In meinem Wahlsprengel gab es eine Vorzugsstimme, die auf ".C.Martin" (sic!) lautete. Ich denk, das sagt Alles.
Solange die Kronenzeitung das mächtigste und marktdurchdringendste Medium der Welt ist (ja, so ist es, denn gemessen am Verbretiungsgebiet hat diese Zeitung weltweit die größte Penetration - und Penetranz sowieso ihres Zielgebiets) und die Leute glauben, dass Musikantenstadl eine Kultursendung ist (die Krönung ist ja, dass Wrabetz bei einer Podiumsdiskussion mir gegenüber die Pröll-Propaganda-Schmiere namens "NÖ heute" zum Bildungsprogramm des ORF gerechnet hat), ist leider kein Durchkommen mit unseren seriösen und ehrlichen Angeboteen, mit unseren komplexen Antworten auf die komplexen Fragen unserer Zeit.
Nur Sager und schöne Gesichter zählen noch. Frechheit siegt.
Drum macht Voves das einzig Richtige. Und wir brauchen auch so jemanden, um wieder Wahlen gewinnen zu können. Ist leider so!

Klaus Bergmaier am 2009-06-15 09:59:23

Tippfehler

H.C.Martin war die Vorzugsstimme...

Helmuth Bronnenmayer am 2009-06-15 11:51:24

wer nur sudert - wird nicht gewählt

Lieber Günter, ich halte deinen Aufruf zu mehr Selbstbewusstsein und für Freude an der Politik für sehr richtig. Ein paar Gedanken von mir: In den letzten Wahlkämpfen habe ich miterlebt wie nicht nur die Präsenz vor Ort, sondern auch die Onlineaktivitäten immer wichtiger werden. Aus meiner Sicht sind alle Aktionen, die authentisch und nahe an den WählerInnen sind gut.

Solche Phänomene wie ein Hr. Martin haben keine Basis und werden nur von Medien getragen. Laufende Aktivitäten und laufender Diskurs mit den WählerInnen ist die Stärke der etablierten Parteien.

Und jetzt bitte um Strategien gegen unreflektierte Populisten mit einer Partei hinter sich.

(8 Kommentare)