Lisa Sinowatz, Enkeltochter von Fred Sinowatz, ist neue Chefin der SJ Burgenland. Den Vergleich mit dem Großvater scheut die Jungpolitikerin keineswegs, wie sich im Gespräch mit der „Presse“ herausstellt.
Neufeld. Mit einem Vorsitzwechsel wird sich die Sozialistische Jugend (SJ) Burgenland naturgemäß eher schwer tun, bundesweite Beachtung zu finden. Doch dieses Mal ist die Sache etwas leichter. Die neue Vorsitzende trägt nämlich einen Namen, der Geschichte geschrieben hat in Österreich: Lisa Sinowatz, 25 Jahre jung, demnächst Magistra der Politik- und Kulturwissenschaften, ist die Enkeltocher eines gewissen Fred Sinowatz, ehemals Kanzler dieser Republik (1983 bis 1986), verstorben im August der Vorjahres.
Den Vergleich mit dem Großvater scheut Lisa Sinowatz keineswegs, wie sich im Gespräch mit der „Presse“ relativ bald herausstellt: „Mein Opa war, natürlich auch amtsbedingt, ein Pragmatiker mit Weitblick. Ich wäre ihm heute wahrscheinlich zu offensiv und zu kompromisslos. Aber ich habe kein Karriereziel in der Politik, und deshalb bin ich frei, zu sagen, was ich will.“
Und das ist durchaus nicht nur eine Sprechblase. Denn die Burgenländerin, die auch Stadträtin in ihrer Heimatgemeinde Neufeld ist, steht der Politik im Allgemeinen und ihrer Partei im Besonderen durchaus kritisch gegenüber. In der SPÖ etwa ortet sie „eine Schwammigkeit“, die dazu führe, „dass man nicht mehr weiß, wofür sie steht“.
Eine Programmdiskussion, die die sozialdemokratischen Werte sozusagen mit der Jetztzeit fusioniert, täte da nicht schlecht. Die SPÖ müsse „endlich Positionen beziehen“, meint Sinowatz. In der Integrationspolitik zum Beispiel, damit sie das Feld nicht länger „dem Rechtspopulismus“ überlasse. Oder in Steuerfragen: „Ich finde es schade, dass nicht über Vermögenssteuern diskutiert wird.“
SPÖ-Chef Werner Faymann ist der Burgenländerin „zu defensiv“, vor allem als Kanzler: „Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn man immer nur angsterfüllt schaut, wie die anderen reagieren.“ Denn irgendwann sei der Punkt erreicht, an dem man sich frage, „was die Existenzberechtigung, die Vision einer Bundesregierung ist. Das Hauptthema sollten jetzt die Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise sein – und die Frage, wie diese Maßnahmen finanziert werden.“
Tut die Regierung also zu wenig? „Sie macht schon etwas, aber ich glaube, sie unterschätzt die Leute und kommuniziert deshalb zu wenig. Man weiß einfach nicht, in welche Richtung es gehen soll.“
Sinowatz selbst will sich in ihrem neuen Amt verstärkt den Lebensrealitäten der jungen Menschen widmen, die „nicht politikverdrossen“ seien, wie allgemein angenommen, „sondern sich nur abgestoßen fühlen, weil ihnen die politische Kultur nicht taugt“. Inwieweit der Opa da als Vorbild dienen kann? „Er hat immer gesagt: Wenn man in der Politik ist, muss man die Menschen mögen. Und das ist, wenn man so will, sein politisches Vermächtnis.“
(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 14.07.2009)



Lisa Sinowatz
schreibt am 2009-07-14 17:58:58