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Startschuss für Gratiskindergarten und „Wiener Mittelschule“

Hannah Leodolter-Scheday schreibt am 2009-09-01 15:39:20


Mit Beginn des neuen Schul- und Kindergartenjahres werden zwei bildungspolitisch wichtige Wiener Vorhaben in die Tat umgesetzt: Der beitragsfreie Kindergarten und die „Wiener Mittelschule." Beide Maßnahmen sind wesentliche Weichenstellungen für die Kinder dieser Stadt.



Der beitragsfreie Kindergarten startet mit 1. September in allen städtischen und einem Großteil der privaten Betreuungseinrichtungen: „Insgesamt haben wir ab Herbst in den städtischen Kindergärten 26.146 Kinder, deren Eltern keinen Besuchsbeitrag mehr bezahlen", so Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch.



Im privaten Bereich sind rund 19.000 Plätze komplett beitragsfrei, bei einem kleinen Teil der Privaten wird für spezielle Angebote ein zusätzlicher Beitrag eingehoben. Einkommensschwache Eltern und AlleinerzieherInnen mit Kindern können ab Herbst neben dem beitragsfreien Kindergartenbesuch noch eine andere Förderung in Anspruch nehmen: Der Essensbeitrag – also Mittagessen, Gabelfrühstück und Jause – wird in der Höhe von maximal 57,41 Euro von der Stadt Wien übernommen. Damit die Kleinen auch so umfassend wie nur möglich von der Bildungseinrichtung Kindergarten profitieren, ist die Gratis-Betreuung in Wien ganztags. Für die Kinderbetreuung nimmt Wien nun jährlich 455 Mio Euro in die Hand – um 80 Mio Euro mehr als bisher.


Das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen im städtischen und privaten Bereich hat den Bedarf im Herbst weitgehend gedeckt: „Allen Eltern, die keinen Platz in ihrem Wunschkindergarten bekommen haben und aufgrund einer bevorstehenden Berufstätigkeit dringend einen Platz gebraucht haben, konnten wir auf Wunsch ein alternatives Angebot machen", betont Oxonitsch. Auf Hochtouren läuft inzwischen der Ausbau der Plätze: Allein heuer wird es mit Jahresende 2.200 neue Betreuungsplätze geben, Wien investiert dafür 13 Mio Euro. Laufend aufgestockt wird das pädagogische Personal in den städtischen Kindergärten: „Allein heuer haben wir 323 Neuaufnahmen." Und: „Trotz eines höheren Bedarfs an PädagogInnen ist selbstverständlich die Gruppengröße und die genau festgelegte Zahl an BetreuerInnen pro Gruppe in den städtischen Kindergärten gleich geblieben." Im Bundesländervergleich kommen in Wien 6,44 Kinder auf eine Betreuungsperson, in Niederösterreich sind es 8,18 Kinder pro Betreuerin, pro Pädagogin sind es in Wien 10,61 Kinder, in Niederösterreich 17,65.


Mit dem Start des beitragsfreien Kindergartens geht eine weitere Maßnahme pädagogischer Frühförderung, das „1+1-Förderkonzept", in die nächste „heiße Phase": 2.148 Kinder werden ab Herbst in Wiens Volksschulen eine intensive vorschulische Förderung erfahren (1.457 Kinder davon in 112 reinen Vorschulklassen). „Unser Ziel ist es, sie möglichst schnell ‚fit’ für eine Regelschulklasse zu machen und damit eine möglichst erfolgreiche Schulkarriere zu ermöglichen", betonen Christian Oxonitsch und Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl.



Schulstart für 21 "Wiener Mittelschulen"





Auch für die 10 bis 14jährigen kann Wien mit einer Innovation aufwarten: Insgesamt 21 Wiener Schulen starten ab sofort mit dem Modell der „Wiener Mittelschule. „Für die Wiener Eltern und SchülerInnen ist dies eine Weichenstellung in Richtung einer Schule, die sich dem Prinzip von ‚Förderung statt Selektion’ verschrieben hat", so Oxonitsch und Brandsteidl. „Die Wiener Mittelschule verbindet die Stärken der verschiedenen Schularten miteinander und schafft damit die pädagogisch beste Schulform für die 10- bis 14jährigen. Die Teilnahme von sechs AHS-Standorten zeigt, dass das Ziel, eine ‚echte Mittelschule’ jenseits der klassischen Schularten zu schaffen, auch erreicht wurde."


Alle VolksschülerInnen wurden und werden unabhängig von ihrer Begabung und Lernleistung aufgenommen und nach AHS-Lehrplan unterrichtet. Dadurch entsteht in der Volksschule kein Notendruck. Die Wiener Mittelschule verbindet die Stärken beider Schularten: Das bedeutet, Latein und Französisch oder auch Ernährung und Hauswirtschaft können von allen SchülerInnen als Pflichtunterricht besucht werden. Im Falle von besonderen individuellen Bedürfnissen (z.B. Muttersprachlicher Unterricht, Förderkurse) stehen alle Fördermaßnahmen zur Verfügung, die bislang ausschließlich in Hauptschulen zur Anwendung kamen. Das Projekt „Bildungskarriere" erfasst alle SchülerInnen. Nahtstellenlehrer aus verschiedenen Schulen bieten den SchülerInnen Berufs- und Laufbahnorientierung.


Durch ein Kurssystem ist individueller Unterricht möglich. Dennoch bleibt der Klassenverband erhalten. Das Unterrichtsgeschehen wird durch Mehrsprachigkeit, Ganztagsangebot, Lerncoaching-Stunden und Projekte bereichert. Zwei Drittel der Unterrichtszeit umfassen Kernkurse. Das weitere Drittel wird in Leistungskursen abgedeckt, entweder als Trainingskurs oder als Erweiterungskurs zur besonderen Begabungsförderung. Auf diese Weise können hohe Kosten für außerschulischen Nachhilfeunterricht vermieden werden. Überdies sinkt die Gefahr des „Durchfallens". Das Abschlusszeugnis wird um einen „Leistungsnachweis" erweitert und ermöglicht den Zugang in jede weiterführende Schule. Der „Leistungsnachweis" informiert verlässlich über die Ergebnisse externer Lernstandserhebungen, die Teilnahme an Kursen und beschreibt Schlüsselqualifikationen. Eine aussagekräftige Erfolgsprognose wird die SchülerInnen für die Schulwahl mit dem 14. Lebensjahr vorbereiten.


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