
Heute findet ein für mich besonders wichtiger Schwerpunkttag statt. Ich widme mich heute quer über den ganzen Tag verteilt dem Thema „Migrantinnen in Österreich“.
Den Vormittag verbrachte ich bei der Frauenberatungsstelle für Migrantinnen "Orient Express" ( http://www.orientexpress-wien.com/ ). Ich muss sagen, der Verein beeindruckt mich sehr, weil hier wirklich vorbildliche Arbeit für Migrantinnen geleistet wird. Die Mitarbeiterinnen bieten seit mehr als zehn Jahren Frauen muttersprachliche Beratung in türkischer und arabischer Sprache sowie Deutsch- und Alphabetisierungskurse für Migrantinnen jeglicher Muttersprache mit Kinderbetreuung an. Seit etwa drei Jahren hat sich ein neuer Schwerpunkt herauskristallisiert: die Beratung und Unterstützung von Frauen und Mädchen, die von Zwangsheirat betroffen sind.
An die 400 Fälle aus ganz Österreich haben die Sozialarbeiterinnen alleine im Jahr 2008 betreut und sind dabei mit ihren Möglichkeiten der Hilfestellung oft an Grenzen gestoßen. Werden etwa minderjährige Mädchen, die zwangweise verheiratet werden sollten, in Krisenzentren des Jugendamtes untergebracht, warten nicht selten draußen vor der Tür bereits die Eltern, die wissen, dass das Mädchen in der Früh in die Schule gehen muss. Zwangsverschleppungen und -verheiratungen stehen dann für einige dieser Mädchen an der Tagesordnung.
Daher brauchen wir dringend Notwohnungen für von Zwangsheirat bedrohte und betroffene Mädchen damit diese lückenlos betreut werden können. Denn das ist schwere Nötigung und sexuelle Gewalt gegen Frauen, der wir nicht zusehen dürfen. Die Forderung nach einer Notwohnung ist daher im Regierungsprogramm verankert, und ich werde das mit Kraft und Druck weiterverfolgen. Daher habe ich auch in meinem Budget für die Errichtung einer solchen Notwohnung vorgesorgt.
Ich schlage vor so eine Notwohnung als Interventionsstelle nach dem Gewaltschutzgesetz umzusetzen. Dazu braucht es aber auch eine 50-Prozent-Kofinanzierung der Innenministerin. Ich werde da auf jeden Fall dran bleiben und die Verhandlungen weiterführen und hoffe, dass wir demnächst etwas schaffen.
An einem Schwerpunkttag bleibt es natürlich nicht nur bei einem Besuch in einer Beratungseinrichtung. Heute Abend wird daher auch bei mir im Büro eine Podiumsdiskussion zum Thema "Fremdbild - Rollenbild – Vorbild“ abgehalten. Da wird darüber diskutiert werden, welche verschiedenste Rollen migrantische Frauen leben. Von der Schauspielerin, über die Lehrerin bis hin zur Werkzeugmaschineurin werden Frauen mit migrantischem Hintergrund diskutieren. Ich freue mich schon sehr darauf.





Gabriele Heinisch-Hosek
schreibt am 2009-10-21 17:37:20