Eine moderne Stadtparteiorganisation sollte sich weniger als Verwaltung als vielmehr als ein modernes Netzwerkzentrum begreifen. Dafür muss man einen Spagat zwischen verschieden Aufgaben meistern. Eine Analyse zur Parteiarbeit im städtischen Bereich.
Auch wenn die Werte unserer sozialdemokratischen Bewegung überall gleich sind, so kann die konkrete kommunalpolitische Arbeit von Stadt, Land und Gemeinde ziemlich unterschiedlich sein. Eine gute Stadtpolitik nimmt Rücksicht auf die größere Einwohneranzahl, die damit verbundene Anonymität, die weiteren Wege, die starke Ausdifferenzierung in verschiedene Gruppen und Akteure wie Vereine, Institutionen und Parteien. Städte sind bunter und unübersichtlicher, bieten dafür aber oft mehr politischen Spielraum. Auch innerhalb der eigenen Bewegung gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Akteure, die möglichst an einem Strang ziehen sollen. Darauf muss man auch die Organisation und Arbeitsweise einer Stadtpartei abstimmen, um so für alle das Arbeiten besser und erfolgreicher zu machen.
Die Stadtpartei 2010: ein modernes Netzwerkzentrum
Die Arbeiten, die im städtischen Bereich notwendig sind, umfassen die eigene Öffentlichkeitsarbeit, damit verbunden die eigene Internetkompetenz und Pressearbeit, den Servicebereich für Mitglieder, FunktionärInnen und Sektionen, die Mitgliederverwaltung, die Kontakte zum Netzwerk der befreundeten Organisationen, den Aufbau von inhaltlichem Know-How (durch die Bildungsorganisation, durch gezielte Fortbildung, durch Klausuren sowie Seminare) und durch eine Kompetenz- und Themenverteilung in der Partei.
Die Stadtpartei 2010
- ein Netzwerk-Zentrum sein, d.h. das klassische „Parteisekretariat“ ist eigentlich ein zentraler Verteiler- und Koordinationsknoten (Informationen sammeln und weitergeben, Aufgaben verteilen und koordinieren, die Netzwerkverbindungen stärken und erhalten
- „State-of-the-art“ arbeiten, d.h. mit modernen Arbeitsmethoden (von der Software-Ausstattung über webtools bis zur Ablauforganisation und der lernenden Organisation)
- ein Wissenszentrum sein, das Informationen zusammenträgt, abrufbar macht und daraus konkrete Inhalte und Kampagnen erstellt
Solche Anforderungen machen einen Spagat nötig zwischen (1) der klassischen Verwaltung (z.B. der Mitglieder) und einer modernen und flexiblen Bewegung, (2) zwischen inhaltlicher Arbeit und „Draußen sein“ und (3) zwischen der bestehenden Terretorial-Struktur und einer ergänzenden Themenstruktur.
Diese Thesen sollen im Folgenden mit ein paar Beispielen erklärt werden: (1) Gerade in mitgliedsstarken Organisationen besteht die Gefahr, sich zu sehr auf die Verwaltung zu konzentrieren und zuviel der vorhandenen Ressourcen zur Systemerhaltung zu verwenden. Das geht auf Kosten Beweglichkeit und der nötigen Zeit, sich um Dinge zu kümmern die oft als „nice to have“ dem Zeitmangel zum Opfer fallen. Gerade solche Projekte und Arbeiten können aber das Bild einer Partei positiv beeinflussen und langfristig auch überlebensnotwendig sein. Solche Projekte bringen aber oft den nötigen Schwung und Dynamik in die Arbeit einer Stadtpartei. Bereiche wie Internet und Projekte brauchen eine eigene Betreuung durch einen/eine hauptamtliche MitarbeiterIn. Er/sie kann dann wiederum Ehrenamtliche betreuen und unterstützen.
(2) Ein wichtiges Erfolgskriterium ist der BürgerInnenkontakt. Die Menschen fordern zu Recht AnsprechpartnerInnen, denen sie ihre Meinung sagen können, die zuhören, die ihnen aber auch die Antworten der SPÖ auf wichtige Fragen geben können. „Nach draußen“ zu gehen, ist also ein wichtiger Teil der Arbeit. Dabei darf aber auch das Erarbeiten der Antworten nicht zu kurz kommen. Konzentriert man sich nur auf’s Gespräch gehen einem bald die Antworten aus. Sitzt man aber nur im „Elfenbeinturm“ der Wissenschaft an Konzepten, werden sich die Menschen vernachlässigt fühlen. Die Gefahr ist, im Überforderungsfall beides nicht ausreichend zu tun. Der Idealfall hingegen ist es, wenn sich das Erarbeiten von Positionen und die Gespräche mit den Menschen wechselseitig beinflussen, sodass die Inhalt und die Vermittlung und Diskussion in einander übergehen, so dass ein Kreislauf entsteht: Was man beim Gespräch mitnimmt fließt in die Konzpte ein, was man an Themenkompetenz aufbaut, trägt man zu den Menschen und so weiter.
(3) Ein großer Vorteil der SPÖ gegenüber anderen Parteien ist die starke Verankerung in den einzelnen Stadtteilen. Die Aufteilung der politischen Arbeit nach Gebieten, den Sektionen in der Stadt, schafft Wissen über die örtlichen Gegebenheiten und Themen und macht die SPÖ vor Ort greifbar. Gerade in Städten ziehen Menschen aber sehr oft um – sowohl die BürgerInnen als auch die eigenen Mitglieder und FunktionärInnen. Um Partizipation und Mitarbeit auch abseits der klassischen Terretorialstruktur zu ermöglichen, braucht man eine Themenstruktur. Der Name dafür kann varieren: Themeninitiativen, Themensektionen, Arbeitsgruppen, … relevant ist, ob es eine Verankerung in der Partei gibt, beispielsweise über die Gremien. Themengruppen, die ohne inhaltliche Ziele und klare Rollenbeschreibung gegründet werden, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wichtige Themengruppen sollten daher ähnliche Rechte und Aufgaben wie eine klassische Sektion haben. Auch hier gibt es ein Spannungsfeld zwischen der Einbindung von Menschen mit unterschiedlichen Wissens- und Ausbildungsstand und der geforderten Professionalität. Die Aufgaben für MitarbeiterInnen müssen daher betreut und fordernd sein, aber nicht überfordernd. Es sollten auch keine Aufgaben sein, die professionell und rasch zu erledigen sind. Eine Gruppe kann beispielsweise eine öffentliche Aktion planen und organisieren, man wird ihr aber nicht die Abwicklung einer Plakatkampagne übertragen können und sollen.
Die Stadtpartei weiterentwickeln: best-practice, Stadtteilprojekte und strategische Ziel-Erreichungsprozeße
In den seltensten Fällen wird eine Organisation von Grund auf Neu aufgebaut. Im Fall der SPÖ wäre das auch nicht sinnvoll. Die Gebietsaufteilungen, in der Stadt in Sektionen, bringen konkrete Ansprechpartner für jeden Stadtteil und eine starke Verbundenheit mit dem eigenen Wohnumfeld. Das ist eine echte Stärke der SPÖ die man nutzen muss. Um diese Arbeit vor Ort zu verbessern können best-practice-Beispiele zur Organisationsentwicklung eingesetzt werden. Die besten Beispiele aus anderen Teilen der Bewegung werden sichtbar und nachahmbar gemacht, neue Ideen importiert, neue Arbeitsweisen ausprobiert. Um bestimmte Bereiche gezielt zu verbessern lohnen sich auch begleitete Musterprojekte. Die können ein bestimmtes Themengebiet umfassen oder unterstützend in einem Stadtteil durchgeführt werden. Was aber auf jeden Fall notwendig ist, sind Strategieklausuren bei der der Status Quo analysiert wird, Ziele und die Wege der Zielerreichung vereinbart werden und die Parameter zur Evaluation fixiert werden.
Die SPÖ lebt von und mit den Menschen in der Bewegung und ist deshalb eine echte „Volks“-Partei weil die unterschiedlichsten Leute aller Alters- und Berufs- und Interessensgruppen zusammen für die gemeinsamen Werte eintreten. Dieses viele ehrenamtliche Engagement hat es sich verdient, die bestmögliche Unterstützung zu bekommen. Mit der richtigen Struktur und den richtigen Werkzeugen lässt es sich leichter arbeiten und man hat auch an den Erfolgen mehr Spaß.
Dieser Beitrag ist in einer Kurzversion im Bildungskurier 2/2010 des Renner Instituts OÖ erschienen
Tags:Allgemein, es gibt noch viel zu tun, Linzpartei, Organisation, Stadt, Struktur

