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der Vorhang zu…

Jürgen Wutzlhofer schreibt am 2010-10-11 09:23:16

…und alle Fragen offen. Die Wienwahl ist geschlagen. Das Ergebnis ist für die SPÖ auch eine Frage des (geografischen) Standpunktes.


Ganz Wien ist “rot”, bei der Gemeinderatswahl gibt es also – im Unterschied zu den letzten Malen, keinen einzigen Bezirk, bei dem eine andere Partei die Nase vorn hat. Insgesamt gesehen ist eine Verlust von – 4,8% auch verkraftbar, wenn man bedenkt, von welchem Niveau aus. Die ÖVP hat im Gegensatz dazu ein Drittel ihrer Gesamtstärke eingebüßt und damit das schlechteste Ergebnis ever eingefahren. Auch ein Feedback dafür, wie Christine Marek auf patscherte Art und Weise versucht hat, der FPÖ ein großes Stück entgegen zu gehen (ich sag nur: Burkaverbot, Militärpolizei auf der Straße, Zwangsarbeit für MindestsicherungsempfängerInnen…). Minus 2,4 bei insgesamt 12 Prozent (und der Verlust eines Bezirksvorstehers) ist auch ein herber Dämpfer für die Grünen, hat aber meines Erachtens eher mit dem selbst zugefügten Spaltungs-Knieschuss am Beginn des grünen Wahlkampfes zu tun als mit ihrem (durchaus professionell geführten) Wahlkampf selbst.


Interessant ist auch ein Blick auf Detailergebnisse. So konnte die SPÖ in fast allen Innenstadt-Wahlkreisen, in Döbling und in Währing in klar zulegen. Auch interessant ist, dass die SPÖ bei den Frauen (50%) und bei den JungwählerInnen (46%) überdurchschnittlich gut abgeschnitten hat. Und dann wurde die Wieden “umgedreht” (es gibt also dort künftig einen roten Bezirksvorsteher). Wirkliche Dämpfer gab es allerdings in Favoriten und Simmering (mit Abstrichen auch in Floridsdorf und der Donaustadt, Liesing und der Brigittenau). Die Gründe dafür wird man noch genauer untersuchen müssen, aber eines ist klar: Der AusländerInnenanteil ist es sicher nicht (dann wäre beispielsweise das Ergebnis in der Brigittenau viel schlechter und das in Floridsdorf dramatisch besser).


Das eigentlich erschütternde sind ja nicht die Verluste der SPÖ (der noch dazu schöne Gewinne in bürgerlichen Bezirken gegenüberstehen). Es ist die Performance der FPÖ. Die Hetzertruppe, die in diesem Wahlkampf einmal mehr unter Beweis gestellt hat, welche kruden und menschenverachtenden Ideen sie antreiben, stellt mehr als ein Viertel aller Stimmen. Das ist eine Katastrophe, da gibt es nichts zu deuteln. Auch hier gibt es regionale Unterschiede. Die FPÖ in Simmering kletterte auf 37,07% (!).


Auch das wird noch genauer zu analysieren sein. Klar ist für mich aber schon heute: Jetzt braucht es ein beherztes und mutiges neues Durchstarten in Wien. Angesprochen auf das Wahlergebnis war Christine Mareks erster Satz: “Es ist ein Gewinn für Wien.” Hallo??? 27% für die FPÖ sind also für Frau Marek ein Gewinn für Wien???? Sorry, aber spätestens jetzt gibt es für mich die Gewissheit, dass sie und ihre Truppe für dieses mutige neue Durchstarten die absolut falschen Partner sind.


Zum Runterkommen möchte ich noch was Persönliches anfügen: Ich freue mich sehr über das viele Feedback, dass ich als Kandidat in diesem Wahlkampf bekommen hab. Es war zum überwiegenden Teil sehr, sehr unterstützend für mich. Auch möchte ich mich jetzt schon sehr für die vielen Stimmen bedanken, die ich bekommen habe (eine Detailauswertung dazu kann ich am kommenden Dienstag bieten).


Mein Wahlkreis, Penzing, hat im Verhältnis zum Gesamtergebnis besser abgeschnitten: SPÖ – 3,79 (Wien: -4,8); ÖVP -5,82 (Wien -5,52); Grüne -1,92 (Wien -2,42); FPÖ +10,76% (Wien +12,15). Die ÖVP hat ihr Grundmandat (das von Wolfgang Gerstl besetzt war) verloren, die SPÖ beide Grundmandate gehalten. Silvia Rubik und ich bleiben daher im Gemeinderat! Das Ergebnis zur Bezirksvertretungswahl ist ähnlich. Die SPÖ hat 2 ihrer bisher 25 Mandate verloren, Andrea Kalchbrenner wurde als Bezirksvorsteherin klar bestätigt.


Link: http://www.wutzlhofer.net/?p=1058

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