Argentinien gilt als “weißes” Land schreibt der Marco Polo Reiseführer. Hier in Campo Quijano kann das wohl nicht wahr sein. Aber was hier herrscht ist am ehesten mit “Apartheid” zu beschreiben. Am späten Nachmittag ist auf der Hauptstrasse einiges los. Menschen warten auf den Bus: lange Schlangen von “Schwarzen”, dh. kleine schwarzhaarige Menschen mit großen schwarzen Augen und Stupsnasen, dazwischen aber auch welche, die wie von einer Inkakeramik heruntergeprungen ausschauen. Diese Schlangen sind deshalb “schwarz”, weil “Weiße” nicht mit dem “Colectivo” , wie hier der Bus heißt, fahren. “Schwarze”Kinder spielen im Park, lustig und erstaunlich leise. Dazwischen gehen größere “weiße” Gruppen, laut, schulterklopfend, auch die Kinder kreischen. Grüßen nur einander, die kleinen Schwarzköpfe dazwischen existieren nicht. Wenn ich sie freundlich anlächle, schauen sie erschreckt weg.
Ja, und dann dürfen sie gewisse “Indigene Arbeiten” verkaufen, wie die bekannten braunweissen Mützen mit Lamas drauf und Schals und ähnliches. Diese Dinge aber werden in eigenen Fabriken erzeugt, die natürlich “Weißen” gehören. Der Onkel unseres Freundes besitzt so eine.

Irmtraut Karlsson
schreibt am 2011-02-21 20:49:05