Öffi-Fahren in Wien wird ab nächstem Jahr noch attraktiver. Die Tarifreform ist sozial, fair und ausgewogen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Künftig verfügt Wien über eines der günstigsten Öffi-Tarifsysteme in ganz Westeuropa.
Die Tarifreform im Detail
- Jahreskarte um 365 Euro
Der Preis für eine Jahreskarte der Wiener Linien wird ab 1. Mai 2012 bei Barzahlung 365 Euro betragen, bei monatlicher Abbuchung 375 Euro. Bislang betrug der Preis der Jahreskarte bei Barzahlung 449 Euro. Damit gehören die Wiener Linien mit ihrer Netzgröße bei dieser Fahrscheinkategorie zu den europaweit absolut günstigsten Anbietern. Zum Vergleich: In Amsterdam kostet eine Jahreskarte derzeit 780 Euro, in Stockholm 795 Euro. Der Durchschnittswert in Europa beträgt 662 Euro. Bereits jetzt nützen mehr als 360.000 Wienerinnen und Wiener das Angebot der Jahreskarte.
- Monatskarte um 45 Euro
Eine Monatskarte wird künftig um 45 Euro statt bislang 49,50 Euro erhältlich sein. Die Wochenkarte wird von 14 Euro auf künftig 15 Euro angepasst. Der Preis der 8-Tage-Klimakarte beträgt in Zukunft 33,80 Euro gegenüber 28,80 Euro aktuell. Die Fahrscheinkategorie für GelegenheitsfahrerInnen - der Einzelfahrschein - wird auf zwei Euro angepasst und ist damit im internationalen Vergleich nach wie vor deutlich günstiger als in vergleichbaren Städten. Einzelfahrscheine kosten etwa in Berlin derzeit 2,30 Euro, der Durchschnittswert in Europa beträgt 2,50 Euro. 95 Prozent aller Fahrgäste verwenden übrigens aktuell eine Zeitkarte bei der Nutzung der Wiener Linien.
- Das Fahrrad fährt gratis - Erfolgsmodell Mobilpass wird fortgeführt
Weitere Fahrscheintarife bzw. Fahrscheinkategorien werden analog zur Tarifstruktur derzeit von der Tarifabteilung der Wiener Linien berechnet und nach Vorliegen gesondert verlautbart. Eines ist aber bereits fix: Egal, mit welcher Fahrkarte die KundInnen der Wiener Linien künftig unterwegs sind, ist die Mitnahme eines Fahrrades in Zukunft gratis.Und: Der am 1. April 2008 eingeführte Mobilpass der Stadt Wien wird in bewährter Weise fortgesetzt. Die Abwicklung des Mobilpasses der Stadt Wien obliegt der Magistratsabteilung 40. Vom vielfältigen Angebot des Mobilpasses profitieren MindestpensionistInnen und alle erwachsenen BezieherInnen der Mindestsicherung.
Der Mobilpass bietet neben anderen Ermäßigungen bei den Wiener Linien auch künftig eine Monatskarte zum Tarif von 15,20 Euro.
- SeniorInnentarife bleiben gleich günstig
Die SeniorInnentarife der Wiener Linien bleiben tariflich gleich günstig wie bisher (224 Euro bei Barzahlung), allerdings werden sich die Anspruchsvoraussetzungen ändern. Ab 1. Jänner 2012 können alle SeniorInnen (Männer und Frauen), die 60 Jahre oder älter sind, eine ermäßigte Seniorenkarte erwerben. In den nächsten 10 Jahren wird die Altersgrenze für die Berechtigung zum Erwerb einer Seniorenjahreskarte jeweils alle zwei Jahre um ein Jahr angehoben (z.B. 2014 von 60 auf 61 Jahre). Ab dem Jahr 2022 liegt die Altersgrenze einheitlich bei 65. Damit wird bei den Seniorentarifen die allgemeine Anhebung des Pensionsalters nachvollzogen.
- Verbesserung bei Semestertickets für Wiens Studierende
Änderungen gibt es ab dem Wintersemester 2012/13 für Studierende an Universitäten bzw. an Fachhochschulen. Studierende aller anerkannten Universitäten bzw. FHs können mit einem aufrechten Hauptwohnsitz in Wien jeweils ein Semesterticket (als Netzkarte für ganz Wien) für 5 Monate (jeweils vom 1.09. bis zum 31.01. bzw. vom 1.02. bis zum 30.06.) zum Preis von 75 Euro lösen. Für alle übrigen Studierenden wird dieses Semesterticket um 150 Euro angeboten werden. Damit wird eine langjährige Forderung der Studierenden-VertreterInnen nach einer Ausweitung der Gültigkeitsdauer der ermäßigten Semestertickets erfüllt, da zahlreiche Studienrichtungen bzw. die Fachhochschulen bereits Veranstaltungen vor Beginn der allgemein üblichen Semesterdauer von Anfang Oktober bis Ende Jänner anbieten. Alle Studierenden an Wiener Hochschulen/Fachhochschulen erhalten ihr Semesterticket in Zukunft jeweils bis zum vollendeten 26. Lebensjahr unabhängig vom Bezug der Familienbeihilfe. Derzeit kann ein Semesterticket vergünstigt nur unter Nachweis des Bezugs der Familienbeihilfe und längstens bis zum 24. Geburtstag gelöst werden.
- Ausdehnung des Geltungszeitraums der Nachmittagsbildungskarte
Schülerinnen und Schüler, deren Wohnort direkt neben einer Bildungseinrichtung liegt und daher keine Schülerstreckenkarte vorliegt, können eine Nachmittagsbildungskarte um 6 Euro pro Monat erwerben. Ab dem Schuljahr 2012/13 wird der Geltungszeitraum ausgeweitet: Diese Karte gilt dann von Montag bis Freitag bereits ab 12 Uhr (bislang 13 Uhr) für den Rest des Tages bzw. künftig auch am Samstag ganztägig. Auch Fahrten für Lehrausgänge und andere Schulveranstaltungen sind nun inkludiert. Bereits jetzt fahren SchülerInnen in Wien bis zum Alter von 19 an Sonn- und Feiertagen und in den Ferien generell gratis.
- Erhöhung der Strafen für SchwarzfahrerInnen
Der „Tarif" fürs Schwarzfahren wird deutlich teurer. Wer beim Schwarzfahren erwischt wird, zahlt künftig 100 Euro statt aktuell 70 Euro. Schwarzfahren zahlt sich in Wien absolut nicht aus, da auch die Kontrollen laufend verstärkt werden - im Sinne aller zahlenden Fahrgäste.
- Bindung der Tarife der Wiener Linien an die Teuerung
In Zukunft werden die Tarife der Wiener Linien an die allgemeine Teuerung gekoppelt. Analog zu Modellen in anderen Städten wird künftig jährlich überprüft, ob in den jeweiligen Fahrscheinkategorien eine Teuerung vorliegt oder nicht. Mit dieser Regelung sollen in Zukunft große Preissprünge ausgeschlossen werden. Die Entwicklung der Tarife folgt dann der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.



Siegi Lindenmayr
schreibt am 2011-10-13 22:25:22
Harald Diebler
am 2011-10-26 16:35:57
Siegi Lindenmayr
am 2011-10-26 17:22:51
Wie viele günstige Fahrten muss man nun bezahlen damit die Kosten für das Papier von den Monatskarten, Fahrscheinen etc. überhaupt erst herein kommt?
Oje, wenn man das Thema ernsthaft überlegt sind 5000 zum teil bequeme Arbeitsplätze oder mehr bedroht? ... nochmal 5000x die man erst mal herein bekommen muss bevor der erste Euro für den Fahrer steht...