Gestern fand im traumhaften Ambiente des Jugendstiltheaters am Steinhof, der von Equalizent organisierte Ball der Vielfalt, LE GRAND BAL DE DIVERSITÉ statt.
Ich konnte, gemeinsam mit meiner Frau und Bekannten diese herrliche Ballnacht wirklich geniessen. Anders, als bei hochoffiziellen Bällen, die ich auch schon besuchen durfte, war sowohl das Publikum als auch die Stimmung ganz anders.
Herzlichkeit und Verständnis, statt hochnäsige Arroganz, gemeinsames miteinander freuen und feiern, statt distinguiert seinen Stand zu repräsentieren - so will ich kurz die Unterschiede beschreiben.
Leider sind die Fotos auf meinem Handy unbrauchbar, daher an dieser Stelle keine Bilder.
"Ein Ball - als urtypisches österreichisches Kulturgut - ist ein bezaubernder Rahmen zum Kennen lernen und Kontakte knüpfen, zum Tanzen und Überwinden von Grenzen", erläuterte Mag. Nadja Schefzig vom Veranstalter equalizent die Ballnacht im Vorfeld.
Zahlreiche Sponsoren, unter ihnen die SPÖ Wien, aber auch die Grünen machten diese Veranstaltung möglich. Doch auch das Programm kann sich sehen lassen: Eine Eröffnung, gemeinsam getanzt von Gehörlosen mit Hörenden, eine Queer-Turniertanz-Einlage eines Männer-Paares aus Budapest und eines Frauen-Paars aus Wien, ein einstündiges hervorragendes R&B Konzert von Doretta Carter und eine Mitternachts-Performance von Gehörlosen und Hörenden. Danach gab es noch eine Tombolaverlosung, so daß wir erst gegen zwei Uhr Früh nach Hause aufbrechen konnten.
Einzige Wermutstropfen war eine "Performancekünstlerin" als Moderatorin, die mit unechtem derben Dialekt von einem Fettnäpfchen ins nächste sprang. Zunächst kannte sie offenbar die Grüne Nationalratsabgeordnete Haindlmayr nicht, so daß die diese flapsig nicht nur falsch bezeichnete, sondern sich dann auch noch darüber lustig machte, dann hatte sie auch noch Probleme, Laura Rudas als weiblich zu identifizieren, was sie benso wieder mit derbem Humor auszugleichen versuchte. Nach weiteren Moderationseskapaden, die dem Publikum fast körperlich unangenehm waren, sprengte sie gegen Ende der Tombola den Rahmen, indem sie die Vertreterin eines der Hauptsponsoren "Air France" auf der Bühne mehrfach nach die von ihnen durchgeführten Abschiebungen befragte. Bei allem Respekt vor dem berechtigten und von mir unterstützten Einsatz gegen die Durchführung von Abschiebungen aus dem Schengen-Raum ist eine derartige Veranstalung nicht die Bühne für solche Aktionen.
Alles in Allem war die Ballnacht trotzdem sehr interessant. Neben vielen Menschen, die wir dort getroffen bzw. kennengelernt haben, hat sich gezeigt, daß Wien nicht nur aus "Mainstream" und Normgerechten Durchschnittsbürgern besteht - im Gegenteil.



Gerald Czech
schreibt am 2008-04-06 22:17:57